14.03.2017

Wie bezahlen wir in 20 Jahren? Genau mit dieser Frage hat sich das hessische Zukunftsinstitut in seiner neuesten Trendstudie zum Thema „Geldentwicklung“ beschäftigt.

Das Institut wurde im Jahr 1988 gegründet und setzt sich seitdem mit der Trend- und Zukunftsforschung in unserer Gesellschaft auseinander. Das Unternehmen hat sich als Ziel gesetzt, mögliches Potential von neuen Innovationen vorzeitig zu ermitteln und einen Trend in der Bevölkerung vorab zu erkennen und zu analysieren.

In der neuen Studie wagt das Forscher- und Beraterteam einen Ausblick in unseren zukünftigen Umgang mit Geld. Im Fokus stand dabei die Auseinandersetzung mit der Frage, wie das menschliche „Geld-Gehirn“ funktioniert und wie es auf neue Währungstechnologien anspringt.

In fünf Szenarien beschrieben die Studienautoren die Schwierigkeiten des digitalen Bezahlens:

  • 1: Kryptowährungen werden zur komplementären Parallelwelt
  • 2: Das Cloud-Prinzip wird in den Währungsbereich übergreifen
  • 3: Biometrische Verifizierungen beim Bezahlen werden gesellschaftsfähiger
  • 4: Bargeld wird schleichend abgelöst, aber nicht vollständig ersetzt
  • 5: Banken werden zu Beziehungsmanagern

Von den fünf vorgestellten Szenarien konnte sich das Cloud-Prinzip aufgrund seiner Einfachheit am ehesten durchsetzen. Der Konsument verfügt hierbei über seine digitale Geldbörse – Im Prinzip also etwas alt bewährtes, was an die digitale Welt angepasst wird. Die heutigen Finanz-Apps von Bankunternehmen und Unternehmen zur Online-Bezahlung (z. B. PayPal) sind erste Wegbereiter dieser zum Teil noch theoretischen Zukunftsmusik.

Die biometrische Verifizierung wurde im Allgemein begrüßt, jedoch gab es auch Gegenstimmen, da der Käufer nicht mehr anonym bleiben kann.  Vor allem diese Anonymität war bislang einer der größten Vorzüge von Bargeld. Kritisiert wurde besonders, dass in der Zukunft jeder getätigte Einkauf auf seinen Ursprung bzw. auf den einzelnen Konsumenten zurückgeführt werden kann. Eines ist sicher, dieses dritte vorgestellte Szenario bietet großes Diskussionspotential zum Thema Datenschutz und der Speicherung von Daten.

Trotz der uns bekannten und auch geschätzten Währung ist es wahrscheinlich, dass nach und nach auch eine virtuelle „Geld–Cloud“ aufgebaut wird. Eine Verschmelzung von analogen und dem digitalen Währungssystem ist bislang nicht abzusehen, vermutlich werden beide parallel existieren.

Bargeldloses bezahlen wird immer öfter genutzt und deutlich beliebter werden. Als eiserne Reserve im Socken oder unter der Matratze wird es Bargeld jedoch in den nächsten Jahren nicht ersetzen können, da die Bedeutung von Geld in unserer Gesellschaft zu tief verankert ist. Außerdem ist die Angst, dass wir das “Gefühl” für unser Geld verlieren, einfach zu groß. Hinzu kommt die wachsende Furcht vor möglichem Datenraub im Internet.

Banken werden sich an die Virtualisierung anpassen und die Dienstleistungen in ihrem Haus erweitern. Doch auch wenn Online-Banking auf dem Vormarsch ist, wird uns die Bank zur persönlichen Kundenberatung erhalten bleiben. Wir sind noch nicht soweit, uns lediglich mit einer virtuellen Konsultation zufrieden zu geben. Wir brauchen einen Repräsentanten aus Fleisch und Blut, daher bleiben Banken als Ort der sozialen Interaktion wichtig, doch vielleicht wird sich diese Einstellung in der nächsten Generation schon relativiert haben.

Quellen: marktforschung.dezukunftsinstitut.de